Wir sind in einem früheren Beitrag über das Designerehepaar Ray und Charles Eames bereits einmal auf den Möbelhersteller Vitra zu sprechen gekommen. Die Verbindung zu dem Designerehepaar hat dabei sogar maßgeblich zur Gründung von Vitra beigetragen. Im nachfolgenden Text soll es deshalb hauptsächlich um Vitra gehen, einem in der Schweiz gegründeten Unternehmen, das für die Herstellung und den Handel von Wohn- und Büromöbeln bekannt ist und heute seinen Sitz in Weil am Rhein hat. Dabei geht es Vitra von Beginn an darum, Stühle und Möbel zu entwickeln und herzustellen, die neu und revolutionär sind. Neben der Geschichte gehen wir dabei auch auf einige besondere Möbelstücke, die durch Vitra hergestellt werden, ein. Aber lesen Sie selbst.

Vitra – die Entstehungsgeschichte

Seit 1950 möchten Erika und Willi Fehlbaum gemeinsam mit namhaften Designern an bis dato produktionstechnisch kaum umsetzbaren Möbelstücken experimentieren. Denn nachdem Willi Fehlbaum 1950 in New York einen Stuhl entdeckt hatte – einen Stuhl des Designerehepaars Ray und Charles Eames – gründete er Vitra und ging daraufhin eine enge Partnerschaft mit den beiden Designern ein. Willi Fehlbaum war zwar eigentlich Ladenbauer, entschloss sich aber dazu, Möbelhersteller zu werden und nahm nicht nur den Entwurf des einen Stuhls, sondern viele weitere Entwürfe von Ray und Charles Eames mit nach Europa. Die Zusammenarbeit war so beziehungsweise ist so erfolgreich, dass Vitra bis heute der einzige legitimierte Hersteller von Eames-Möbeln für Europa und den Mittleren Osten ist. Noch heute werden alle Entscheidungen, die Eames-Möbel betreffen, eng mit den Erben des Designerehepaars getroffen.

Natürlich arbeitet Vitra nicht nur daran, Eames-Möbel herzustellen und zu vertreiben, sondern setzt auch auf die Zusammenarbeit mit zahlreichen anderen namhaften Designern. Meist geht es dabei darum, Entwürfe in die Produktion zu bringen, die erst einmal beinahe unmöglich umzusetzen scheinen. Häufig wird eine lange Zeit mit Farben, Formen und Herstellungsmethoden experimentiert, bis das Möbelstück dann schlussendlich überhaupt produziert werden kann. Dabei können schon einmal einige Jahre vergehen. Das Ergebnis sind dann aber meist Klassiker, die in Museen ausgestellt werden und die Möbelindustrie nachhaltig prägen. Auf ein paar Beispiele solcher Klassiker gehen wir weiter unten noch ein bisschen genauer ein. Zunächst einmal soll es aber darum gehen, wo die Vitra-Möbel hergestellt werden.

Der Vitra Campus – die Produktionsstätte der Klassiker

Auf dem sogenannten Vitra Campus entstehen bis heute die bekannten Vitra Klassiker. Dabei ist dieser Ort in Weil am Rhein in Deutschland nicht nur Produktionsstätte, sondern mit dem Vitra Design Museum auch Möbelausstellung einer der größten Stuhlausstellungen der Welt. Zunächst wurde hier aber 1981 nach einem Großbrand eine neue Produktionshalle von Nicholas Grimshaw errichtet. Neben den Produktionsabteilungen finden sich dort auch zwei Showrooms. Im Jahr 1989 wurde bereits eine zweite Produktionshalle gebaut, dieses Mal vom Architekten Frank Gehry entworfen. Dort finden bis heute Produktion, Büros, Showroom und das Testlabor ihren Platz. Der Architekt Frank Gehry war dann auch maßgeblich am Bau des Vitra Design Museums beteiligt.

Das Vitra Design Museum

Ebenfalls 1989 sollte Frank Gehry ein Gebäude errichten, in dem die Stuhlsammlung, die sich über die Jahre angesammelt hatte, einen angemessenen Platz finden sollte. Er errichtete ein Gebäude, das dem Dekonstruktivismus und somit dem Stil des Architekten treu bleibt und deshalb aus geometrischen Formen, Rampen und Türmen besteht. Das Vitra Design Museum bietet bis heute auf zwei Ebenen eine Ausstellungsfläche von 700m² und zeigt eine beindruckende Sammlung an Klassikern der Möbelgeschichte. Neben dem Museum wurde auch eine Stiftung gegründet, die sich mit der Erforschung von Design und Architektur beschäftigen sollte und das auch bis heute noch tut.

Erfolgreiche Vitra Möbelstücke und ihre Entwicklungsgeschichte

Der Panton Chair

Der bekannte Panton Chair ist ein Beispiel für die teils jahrelange Arbeit und Überarbeitung am Entwurf und der Produktion eines Möbelstücks durch Vitra, mit dem Ergebnis eines absoluten Klassikers. Gemeinsam mit dem Designer Verner Panton wurde der Panton Chair 1967 nach vierjähriger gemeinsamer Entwicklungsarbeit erstmals produziert. Der Stuhl bestand damals aus glasfaserverstärktem Polyester. Doch erst 1968 konnte der Stuhl in Serie gehen, denn erst dann war die Stapelbarkeit gegeben. Das verwendete Material war dann schon wieder ein anderes – man verwendete damals Polyurethan-Hartschaum. Doch schon 1970 wurde das Material durch Thermoplast-Spritzguss ausgetauscht, denn Polyurethan-Hartschaum war in der Herstellung sehr aufwendig. Die Entwürfe des Designers Verner Panton wurden aber auch so noch nicht ganz genau umgesetzt, denn eigentlich sollte der Stuhl keine glänzende, sondern eine matte Oberfläche haben. Das erreichte Vitra erst im Jahre 1990, indem als Material für den Panton Chair Polypropylen eingesetzt wurde. Über mehrere Jahrzehnte hinweg arbeitete Vitra also gemeinsam mit dem Designer Verner Panton daran, den Entwurf des Panton Chairs für alle zufriedenstellend umzusetzen.

Eames Lounge Chair No. 670 – einer der erfolgrechsten Sessel der Vitra Geschichte

Ray und Charles Eames sind mitunter zwei der bedeutendsten Möbeldesigner der Geschichte. Und meist denken viele bei den Namen der beiden Designer genau an einen Stuhl und das ist der Lounge Chair No. 670. Vor dem Hintergrund, eine zeitgemäße Version des alten englischen Clubsessels zu entwerfen und herzustellen, begann Charles Eames bereits 1943 mit dem Entwurf eines Sessels mit Fußhocker, der genau das bieten sollte – eine große, luxuriöse Sitzgelegenheit mit höchstem Komfort und aus bester Qualität in Material und Ausführung. Bis 1956 tüftelte er daran und dann ging der Lounge Chair erstmals in Produktion. Die Polsterung sollte mit Leder bezogen sein, was der weichen und warmen Anmutung eines gebrauchten Baseballhandschuh gleichkommen sollte. Schon dieses Detail machte aus dem Entwurf und später dem hergestellten Sessel etwas ganz Besonderes und Aufmerksamkeitserregendes. Beim Aufbau des Sessels steht vor allem der Komfort im Vordergrund. Drei Sperrholzschalen bilden den Sitz und die zweiteilige Rückenlehne. Mit Daunen und Federn gefüllte Lederpolster bieten entsprechendes Volumen und somit den nötigen Sitzkomfort. Die Lederpolster werden dabei mit Knöpfen in den Schalen befestigt. Auch die Armlehnen sind mit Schaumstoff gepolstert und verstärken den Sitzkomfort nur noch. Die Kissen, die sich an der Rückenlehne, auf dem Sitz sowie auf dem Fußhocker befinden, sind identisch, so dass sich diese auch untereinander austauschen lassen. Tatsächlich setzte man bei den ersten rund 250 Exemplaren auf Handschuhleder, um Eames Vision der Anmutung des Baseballhandschuhs gerecht zu werden. Da sich das allerdings als zu empfindlich rausstellte, nutzte man daraufhin ein festeres Leder. Selbst in der Produktionsphase des Sessels setzte sich also der Gestaltungsprozess fort. Der Eames Lounge Chair weist eine besondere Flexibilität auf, die ihn zu einem überaus bequemen Ruhemöbel macht. Auf einem Fünfsternfuß ist er drehbar, was seiner Flexibilität noch zu Gute kommt. Der dazugehörige Sessel, der Ottoman No. 671, steht dagegen auf einem Viersternfuß und ist nicht drehbar.

1956 wurde der Sessel erstmals von Hermann Miller hergestellt und seit 1958 bis heute durch Vitra und das ohne Unterbrechung. Zwar wurden andere Entwürfe des Designerehepaars Eames häufiger verkauft, besondere Bekanntheit erlangen Ray und Charles Eames und somit auch Vitra aber in jedem Fall mit dem Eames Lounge Chair No. 670 und dem dazugehörigen Ottoman No. 671.

Cone Chair oder auch Tütenstuhl – Verner Pantons unkonventioneller Stuhl-Entwurf

Der Entwurf für den berühmten Cone Chair oder auch Tütenstuhl stammt ebenfalls vom Designer Verner Panton. Er wird allerdings erst seit dem Jahr 2000 durch Vitra hergestellt. Den ersten Entwurf für den Stuhl gab es bereits 1958. 1959 wurde er durch die Firma Plus-linje hergestellt. Der Unternehmer Percy von Halling-Koch hatte die Firma nur dazu gegründet, um den Cone Chair zu produzieren. Der Stuhl erregte eine Menge Aufmerksamkeit und verschaffte dem Designer erstmals internationale Beachtung. Kein Wunder, denn der Stuhl zeigte bereits einige von Pantons typischen Merkmalen als Designer: Er hat eine Vorliebe für unkonventionelle gestalterische Lösungen, ist experimentierfreudig und das vor allem mit geometrischen Formen und Figuren. Der Cone Chair zeigt in einem auffälligen Rot genau das. Er besteht im Grunde aus einem auf die Spitze gestellten Kegel. Dieser ist aufgeschnitten und bildet so einen Stuhl mit einer halbkreisförmigen Arm- und Rückenlehne. Er bietet trotz der geometrischen Form ein hohes Maß an Komfort und war in der ersten, durch einen unbekannten Hersteller, 1958 hergestellten Kleinserie mit rotem Stoff bezogen. Ab 1959 wurde der Korpus dann aus gebogenem Stahlblech gefertigt und das drehbare Fußkreuz bestand aus poliertem Aluminiumblech. An der Innenseite befindet sich eine dünne Schaumstoffmatte und ein rundes Sitzkissen ist lose auf den Stuhl gelegt. Verner Panton galt seit der Produktion des Cone Chairs als Mann der verrückten Ideen und wurde sogar als Enfant terrible bezeichnet. Der Cone Chair wurde nach dem Konkurs des Herstellers Plus-linje von 1967 bis in die Mitte der 1970er Jahre durch die Gebrüder Nehl hergestellt und wird seit 2000 durch Vitra produziert. Während Plus-linje beim Cone Chair auf weiße Fußgleiter aus Kunststoff setzte, zeichneten sich die Cone Chairs der Gebrüder Nehl durch Fußgleiter aus schwarzem Kunststoff aus. Vitra änderte ab 2000 nicht nur wieder die Farbe der Fußgleiter, sondern auch das Material des Korpus. Statt Stahlblech kam bei der Produktion durch Vitra glasfaserverstärkter Kunststoff zum Einsatz. Bis heute ist der Cone Chair nicht nur einer der berühmtesten Entwürfe von Verner Panton, sondern auch fest in der Produktion von Vitra verwurzelt. Ebenso wie mit dem Designerehepaar Eames war auch das Verhältnis zwischen Panton und Vitra ein besonderes. Das Original des Stuhls gibt es heute immer noch von Vitra und das nicht mehr nur in der Farbe Rot.

Die Geschichte von Vitra als Hersteller und die außergewöhnlich intensive und lange Zusammenarbeit mit den Designern zeichnet den Möbelhersteller schon seit Jahrzehnten aus. Seit 1950 arbeitet das Unternehmen stets daran, ausgefallene Möbelklassiker herzustellen und dabei ein für alle Seiten zufriedenstellendes Ergebnis zu liefern. Die zahlreichen Klassiker, die durch Vitra hergestellt werden, geben dem Unternehmen recht. Die von uns hier genannten Klassiker, der Panton Chair, der Cone Chair und der Eames Lounge Chair, um nur einige zu nennen, sind heute aus der Möbelindustrie und der Geschichte derselben nicht mehr wegzudenken.

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