Der Handwerksberuf des Polsterers hat eine lange Tradition und wahrscheinlich ist die Geschichte des Polsterers fast genauso lang wie die Geschichte der Menschen. Denn schon früh bestand die Notwendigkeit, dem Menschen Komfort beim Sitzen und Entspannen zu bieten. Aus diesem Wunsch nach Behaglichkeit, Bequemlichkeit und dem Bedürfnis nach Geborgenheit heraus entstand letztlich der Beruf des Polsterers. Von der langen Tradition dieses Handwerksberufs zeugen unter anderem antike Möbel, die wir in Palästen, Museen oder Antiquitätenläden bewundern können.

Wie lebte der Mensch, bevor es Polsterer gab?

Bevor es Polsterer gab, saßen und lagen die Menschen lange Zeit nur auf Holz oder dem blanken Stein. Gleichzeitig schliefen 3000 Jahre vor unserer Zeit die alten Ägypter bereits auf weichen Kissen.

Nach der Antike wurden gepolsterte Sitzgelegenheiten dann zum ersten Mal im Mittelalter erwähnt. Diese bestanden damals aus einer einfachen Strohmatte. Für Sitze und Bänke wurden lediglich einige Lederstücke auf einen Holzrahmen genagelt, welche mit verschiedenen Werkstoffen, wie Stroh, Seegras oder Rosshaar, zusätzlich gepolstert wurden. Stuhlmacher waren demzufolge der historische Vorläufer des Polsterers, da diese das Holzgestell für die Sitzmöbel bauten.

Mit dem Polstermöbel kam der Polsterer

Polstermöbel, in der Form, wie wir sie heute kennen, sind erst im 16. und 17. Jahrhundert entstanden. Sie gewannen zu Zeiten des Barocks mehr und mehr an signifikanter Bedeutung. Je höher der Rang der sitzenden Person in der Familie oder im Amt, desto besser gepolstert und eindrucksvoller war das Polstermöbel. So hatte in der Familie jedes Familienmitglied seinen zugewiesenen Sitzplatz. Dem Ranghöchsten, also dem Vater, stand das stattlichste und bequemste Sitzmöbel zu.

Da die Sprungfeder erst im 19. Jahrhundert erfunden wurde, bestand die Polsterung im 16. bis zum 18. Jahrhundert überwiegend aus Polstergurt, auch Jutegurt genannt. Auf diese kam eine dicke Schicht Palmenfasern, welche als Polsterfüllmaterial verwendet wurden. Um Unebenheiten auszugleichen und eine Oberflächenweichheit zu erlangen, wurde zusätzlich aufgebauschtes Rosshaar aufgelegt.

Durch die Erfindung der Sprungfeder und die damit verbundene elastische Polsterung wurde der Polsteraufbau durch den Polsterer grundlegend verändert. Die Federn wurden einzeln auf die Jutegurte aufgenäht und verschnürt. Darauf wurden dann Palmenfasern, auch Afrik genannt, aufgetragen und zu einer festen Form vernäht. Anschließend folgte wieder das aufgebauschte Rosshaar. Bis weit ins 20. Jahrhundert wurde diese Art zu polstern von Polsterern so ausgeübt.

Der Polsterer nach dem 2. Weltkrieg

Neue Polstermaterialien eroberten nach dem 2. Weltkrieg den Markt und veränderten damit erneut den Polsterer Beruf. Die Handschnürung wurde durch den Federkern abgelöst, Schaumstoff und Watte ersetzte Afrik und Rosshaar. Diese neuen Materialien ermöglichen einen beispiellosen Sitzkomfort, der genau auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Menschen angepasst war und bis heute ist.

Der Polsterer als Ausbildungsberuf in der Gegenwart

Heutzutage ist Polsterer ein anerkannter Ausbildungsberuf. Sie fertigen Polstermöbel und Matratzen an und beherrschen zahlreiche traditionelle Polstertechniken. Polstermöbel werden mit edlen Stoffen oder elegantem Leder bezogen, antike oder alte Möbelstücke werden renoviert und die Polsterung erneuert. Auf traditionelle Weise ausgeübt, benötigt der Polsterer Geißfuß, Polsterhammer, Gurtspanner, verschiedene Scheren, Messer, Schraubenzieher und Zange um die Arbeiten auszuführen.

Der moderne Beruf des Polsterers

Zum modernen Berufsbild des Polsterers gehört heutzutage auch die Herstellung von Sitzen für Flugzeuge, Raumfähren, Boote, Busse und Autos. Auch andere Tätigkeiten gehören oft zu diesem traditionellen Handwerk, wie zum Beispiel die des Raumausstatters, welcher Räume dekoriert, Bodenbeläge verlegt oder Wände und Decken bekleidet.  Der Polsterer kombiniert kreative mit handwerklichen Aufgaben und hat ein gutes Auge, handwerkliches Geschick, Fingerspitzengefühl und Kreativität. Im Hinblick auf die Haltbarkeit und dem Sitzkomfort ist die handwerkliche Art der Polsterung, der in der industriellen Möbelherstellung verwendeten Techniken, weit überlegen. Ein Grund, wieso der Polsterer einen sicheren Beruf innehat, der nach wie vor sehr gefragt ist.

Der Polsterer und seine Schutzpatronin

Wie jede Handwerkszunft hat auch der Polsterer einen Schutzpatron: die heilige Lucia von Syrakus, dessen Gedenktag am 13. Dezember ist.

Lucia von Syrakus war eine junge Frau, die im 4. Jahrhundert lebte. Viele Mythen und Legenden ranken sich um ebenjene Lucia, die später heiliggesprochen werden sollte. Historisch belegt ist nur sehr wenig. Als gesichert gilt zum Beispiel der Geburtsort von Lucia, die als Tochter eines reichen Kaufmanns um 286 nach Christus in Syrakus auf Sizilien auf die Welt kam.

Die Übersetzung ihres Namens bedeutet „die Leuchtende“, weswegen sie vor allem in Schweden mit einem besonderen Lichterfest verehrt wird. Der Brauch geht auf folgende Legende zurück:

Lucia, die Tochter einer vornehmen und reichen Familie, gelobt schon als Kind ewige Jungfräulichkeit. Als Lucias Vater Lucio starb, war sie gerade einmal 5 Jahre alt. Ihre Mutter Eutychia wollte sie verheiraten, als die junge Frau ein entsprechendes Alter erreicht hatte, doch zögerte Lucia die Verlobung hinaus.

Dann erkrankte die Mutter und Lucia unternahm mit ihr eine Wallfahrt nach Catania zum Grab der Heiligen Agatha. Ein Gebet und eine Erscheinung heilten die Mutter, die daraufhin selbst Christin wurde.

Eines Nachts erschien die Heilige Agatha Lucia in einem Traum und verwies sie auf die Kraft ihres Glaubens. Diese sagte ihr ein ähnliches Schicksal wie ihr eigene voraus: Lucia sollte eine Märtyrerin werden. Zurückgekehrt löste Lucia umgehend die abgesprochene Eheschließung auf. Mit ihrem Vermögen und mit Unterstützung ihrer Familie gründete sie eine Armen- und Krankenstation. Und auch die wundersam geheilte Mutter unterstützte nun ihre Tochter bei diesem Unterfangen.

Da Lucia ihren Verlobten zurückgewiesen hatte und er herausfand, dass die junge Frau ihr Erbe verschenkte, indem sie es in die Armen- und Krankenstation steckte, überantwortete er Lucia dem Präfekten. Dieser wollte sie ins Dirnenhaus bringen lassen, doch selbst ein Ochsengespann und tausend Männer waren nicht imstande, die Gefesselte von der Stelle zu bewegen. Weder ein Zauberer noch ein rund um sie entzündetes Feuer und über sie gegossenes, siedendes Öl konnten ihr etwas anhaben.

Da stieß man Lucia ein Schwert durch die Kehle. Mit durchschnittenem Hals betete sie laut weiter und verkündete das Ende der Verfolgungen und den nahen Frieden des Christenreiches.

Lucia starb erst, nachdem der damalige Bischof Eutychius ihr die Eucharistie gereicht hatte.
Seitdem wird die Heilige Lucia bei Augenleiden, Blutfluss und Halsschmerzen angerufen. Sie gilt als Patronin der Armen, der Blinden, der reuigen Dirnen, der kranken Kinder und der italienischen Städte Syrakus und Venedig. Doch auch Näherinnen, Sattler und Polsterer haben die Heilige Lucia als Schutzpatronin.

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